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Rennspiele als Vorbereitung für den Motorsport – Mit Assetto Corsa beim DTC Experience Day 2016 auf dem Sachsenring

Der Traum vieler Rennspielfans wurde für mich an diesem Wochenende wahr. Einmal mit einem echten Rennwagen auf der Rennstrecke zu fahren, auf der man zuvor online unterwegs gewesen ist. Wie nah kommt das virtuelle Racing dem Rennsport wirklich? Kann ich in echt auch Top-Ergebnisse auf der Rennstrecke und im Motorsport erzielen, wenn ich zuvor online in diesen Bereichen gut war und bin?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mich intensiv mit Assetto Corsa auf die Teilnahme am DTC Experience Day 2016 auf dem Sachsenring vorbereitet und konnte damit die virtuelle Erfahrung mit der Fahrt im richtigen Rennwagen vergleichen.

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Mit einem maximalen Gefälle von 12,8 % und einer maximalen Steigung von 10 %, schnellen Kurvenkombinationen und tollem Flow erinnert der Sachsenring an eine deutsche Version von Laguna Seca. Zum Streckenlayout gehört neben einigen blinden Kuppen auch die sogenannte Omega-Kurve, die nicht nur virtuell eine Menge Spaß verspricht, sondern auch auf der realen Rennstrecke eine besondere Herausforderung darstellt. Für Abwechslung ist auf dem 3.671 Meter langen Kurs also garantiert.

Rennsimulator-Setup:
Rennspiel:
Assetto Corsa (PC Version) – Der Rennsimulator Assetto Corsa erscheint am 3. Juni für PlayStation 4 und Xbox One.
Hardware-Setup: Fanatec ClubSport Wheel Base V1, Fanatec ClubSport Pedale V2, Fanatec ClubSport Lenkrad Formula und Fanatec ClubSport Shifter SQ
Strecke (Mod): Sachsenring (Link – Racedepartment.com)
Fahrzeug (Mod): Mini JCW Coupé

Die Zielsetzung des Rookie-Lehrgangs war es nicht, die beste Rundenzeit zu fahren, sondern die beste Linie und wie man selbst in der Lage ist seine Linienführung auf der Rennstrecke im Laufe des Trainings zu verbessern. Etwas was man mit Assetto Corsa hervorragend üben und optimieren kann. So habe ich mir einzelne Rennabschnitte und Kurvenkombinationen immer wieder vorgenommen und abgefahren. Dadurch eignet man sich auch Automatismen an, auf denen man auf der Rennstrecke einfach zurückgreifen kann. Denn Motorsport wird gerade auch im Kopf und in der Konzentrationsfähigkeit entschieden. Eine Fähigkeit auf die die Instruktoren beim DTC Experience Day besonders geachtet haben.

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In Rennspiel der Zukunft wäre es ideal, einen virtuellen Coach zu haben, der einem bei der Verbesserung der Ideallinie hilft. Diese Aufgabe übernehmen aktuell noch die mit GoPros oder Videoanalyse-Tools ausgestatteten Instruktoren. Es wäre natürlich spannend gewesen zu sehen, wie sich die virtuelle und reale Rundenzeiten unterscheiden – oder eben nicht unterscheiden.

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Vor dem Track Walk am Morgen des Sichtungstags kannte ich die Strecke also bereits durch Trainingsrunden am Simulator zuhause und das machte mich umso neugieriger, inwieweit sich Layout und die Strecke mit dem echten Rennwagen anfühlt. Klar war aber auch, dass es sich bei der aktuell verfügbaren digitalen Version des Sachsenrings nicht um einen von anderen Fahrern selbst-erstellten Kurs handelt und nicht, wie sonst, ein präzises Streckenmodell der Entwickler von Kunos Simulazioni. Von einer Auswahl der Rennstrecken wird mit moderner Laserscan-Technologie ein originalgetreues, virtuelles Abbild erstellt, wie in Spa-Francorchamps, Barcelona, Brands Hatch oder die Nürburgring-Nordschleife.

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Beim Track Walk mit den Profis und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, war es ein klasse Gefühl, die Rennstrecke virtuell zu kennen und dann tatsächlich selbst dort zu sein. Man hat das unverkennbare Gefühl, schon einmal auf der Strecke gewesen zu sein. Wie auch in der Simulation, ließ sich bereits erahnen, dass beispielsweise beim Anbremspunkt der Sachsenkurve eine besonders starke Kompression am Rennfahrzeug zu erwarten und vor allem zu spüren sein wird. Die Kurve ist eine richtige Mutkurve, da man bei Kurveneingang den Rest der Kurve nicht einsehen kann. Neu für mich war allerdings, die Curbs selbst zu spüren und zu erkennen, dass die Curbs am Sachsenring sehr griffig sind und es sich in einigen Kurven einfach am inneren Curb einhaken lässt.

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Mini Racespace (c)

Da wir uns allerdings auf einem Sichtungslehrgang und nicht zu einem Trackday angemeldet hatten, ging es für uns erst einmal mit einem bayrischen Hecktriebler zum Warm-Up auf die Hydraulikplatte des Fahrsicherheitszentrums im Inneren der Strecke. Hier galt es Reaktionsfähigkeit – ein Vorzeige-Skill der Rennspielhelden – zu beweisen und das Fahrzeug nach einem gezwungenen Ausbrechen des Hecks bei 40 km/h auf spiegelglatter Fläche wieder unter Kontrolle zu bringen.

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Zurück in der VIP Lounge des Boxengebäudes, starteten wir mit dem theoretischen Teil. In diesem ging es um die Bereiche Sponsorengewinnung, mentale Fitness und Regelkunde. Im, Vorfeld mussten wir eine Präsentation erarbeiten, mit der wir für unser Motorsport-Vorhaben Sponsoren gewinnen wollten und diese vor der Jury präsentieren. Im Anschluss folgten Koordinationsübungen mit dem Mentalcoach. Das offizielle Reglement der DTC und des DMSB muss als Nachwuchsfahrer auch gelernt sein, also wurden wir auch in Regelkunde getestet. Habt ihr gewusst, dass Vor und während allen freien Trainingssitzungen, den Qualifikationstrainings sowie während der Rennen die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen an die Box heranfahren und ihr Fahrzeug ausschließlich schräg in einem Winkel von etwa 45 Grad zur Fahrtrichtung abstellen dürfen? Wird dies nicht eingehalten, droht sogar eine Geldstrafe. Nach der Regelkunde kam dann noch ein sehr anspruchsvoller Fitnesstest der speziell für Motorsportler entwickelt worden ist. So arbeiteten unsere Fitness-Instruktoren beispielsweise bereits für das Werksteam von Chevrolet in der WTCC.

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Mini Racespace (c)

Danach ging es endlich auf die Rennstrecke. Ich liebe den Moment kurz vor dem Einsteigen in das Fahrzeug. Man sieht die anderen Fahrer, wie sie ihre Runden drehen und kann es selbst kaum erwarten endlich in das mit Alcantara bezogene Lenkrad zu greifen. Dann ist es endlich soweit – Schuhe noch einmal zuschnüren, Helm aufziehen, in die Handschuhe schlüpfen und dann rein in den 211 PS-starken Mini JCW mit Frontantrieb.

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Steve Kirsch, mit 16 Rennsiegen, 15 Pole Positions und 16 schnellsten Rennrunden, Gewinner der ADAC Procar Meisterschaft 2015 führte mich vier Runden im Lead and Follow-Modus über die Ideallinie des Sachsenrings und bog dann am Ende der letzten Runde in die Boxengasse ein. Ab diesem Moment war ich im Rennfahrzeug alleine auf der Rennstrecke. Was für ein Gefühl! Der Kurs ist ziemlich anspruchsvoll und wird nach dem technischen Teil mit der Omega-Kurve sehr schnell. Fährt man zu aggressiv, verliert man eher Tempo, als dass man gewinnt.

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Mini Racespace (c)

Die erste Kurve kam auf mich zu und ich bremste kurz nach der Kuppe. Viel zu früh. Ich löste die Bremse wieder, konzentrierte mich auf den späten Scheitelpunkt der Rechtskurve und erwischte ihn. Bei der langgezogenen Linkskurve vor Eingang Omega halten die Profis Abstand zum inneren Curb, um dann die Einfahrt in die asymmetrische Omega-Kurve möglichst gerade zu gestalten. Dies gilt auch für das Omega selbst bis zum sehr späten Scheitelpunkt am Ausgang. Der Mini muss ständig unter Zug gehalten werden und man darf ihn nicht zu lange Rollen lassen, sonst wird das Heck sehr leicht und man muss sich auf Gegenlenken gefasst machen. Auch, dass es wichtig ist, den Schwung durch die Kurven zu tragen, um schnell zu sein, habe ich bereits in Assetto Corsa gemerkt.

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Der mittlere Streckenabschnitt ist extrem schnell und eine Kombination von ausschließlich Linkskurven bis zur vorhin angesprochenen Mutkurve, in die man blind eintaucht. Aufgrund der kalten, äußeren Bedingungen, wurde mit herkömmlichen Straßenreifen statt Slicks gefahren. Slicks hätten etwa fünf bis sechs Runden benötigt, um auf Temperatur zu kommen – das wäre dann aber schon das Ende unseres Stints gewesen.

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Fazit:

Den größten Unterschied zwischen dem Fahren auf virtuellen und echten Rennstrecken, sehe ich in der Herangehensweise. Während man in der Simulation eher dazu tendiert, in den ersten Runden etwas zu „überpacen“, um die Limits auszuloten, tastet man sich im echten Rennfahrzeug viel vorsichtiger und Meter für Meter an die physischen Grenzen von Strecke und Fahrzeug heran. Denn hier kann ich es mir wegen der hohen finanziellen Selbstbeteiligung nicht einfach erlauben, das Fahrzeug ins Kiesbett zu werfen.

Dazu kommen noch äußere Faktoren, wie stark steigende Temperaturen im Cockpit oder die eingeschränkte Sicht- und Bewegungsfreiheit, teilweise durch den Helm oder einfach aufgrund einer schmutzigen Windschutzscheibe.

Was mich aber besonders begeistert hat, ist, wie gut man sich mit virtuellen Racing auf den realen Rennsport vorbereiten kann. Insbesondere die für einen Rennfahrer wichtigen Bereiche der konstanten Konzentrationsfähigkeit auf hohem Niveau und mentale Stärke in kritischen Situationen kann man damit sehr gut schulen. Dies sind die Bereiche, die im Nachwuchsrennsport bei gleichem Material über Sieg und Niederlage entscheiden können. Fähigkeiten, die sich gerade online im Mehrspielermodus von Assetto Corsa auf den virtuellen Rennstrecken dieser Welt mit jeder Session trainieren lassen.

In diesem Sinne,

#keeponracing


Der Deutschen Tourenwagen Cup (DTC) ist bekannt und beliebt für spektakuläre Rennaction und tolle Fahrmanöver, dabei ist die Serie mit offenen Zelten nahbar und zugänglich zugleich. Mit einem attraktiven Rahmenprogramm für Partner, Sponsoren und Team, beispielsweise bei Veranstaltungen der ADAC GT Masters und der TCR International Series.

15.–17. April 2016: Motorsportarena Oschersleben (ADAC GT Masters)
29. April–1. Mai 2016: Sachsenring (ADAC GT Masters)
17.-19. Juni 2016: Motorsportarena Oschersleben (TCR International Series)
22.-24. Juli 2016: Red Bull Ring (ADAC GT Masters)
4.-7. August 2016: Nürburgring (ADAC GT Masters)
15.-18. September 2016: Zolder (Truck EM)
07.-09. Oktober 2016: Spa-Francorchamps (Spa Race Festival)

In der Production-Klasse kämpfen die Fahrer in seriennahen und entsprechend kostengünstigen rund 230 PS-starken Fahrzeugen um Punkte, während es in der Superproduction-Klasse mit über 300 PS aus den 1,6l Turbomotoren auf die Strecke geht. Wie gut so ein MINI John Cooper Works der Production-Klasse klingt, zeigt IMC Motorsport sind so gut wie abgeschlossen und die beiden 1,6l Turboboliden warten nur noch auf die neue Saisonbeklebu Mini John Die erste Feuertaufe der MINI JCW, die dann mit ca. 230 PS ausgestattet sein sollen, wird beim Saisonauftakt des Bördesprint in der Motorsportarena Oschersleben stattfinden. „Durch die Kooperation der DTC mit dem Bördesprint haben junge Motorsportler über diese national ausgeschriebene Rennserie die Möglichkeit, die für die DTC notwendige Internationale Lizenz zu erlangen.

WEITERE IMPRESSIONEN

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Mini Racespace (c)

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