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Germany’s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013

von Robert Hähnel 04.09.2013

 

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013Ein Sonntag am EuroSpeedway Lausitzring. Es sind vielleicht keine Menschenmassen, die sich von den Parkplätzen hin zur Rennstrecke schieben, aber ein stetiger und buntgemischter Besucherstrom bewegt sich auf den Einlass zu, um im Rahmen des ADAC GT Masters vor allem Männern und einer Handvoll Frauen dabei zuzusehen, wie sie auf dem EuroSpeedway ihre Runden drehen. Nur wenige scheinen wirklich auf das Zelt zu achten, das von Nissan- und PlayStation-Schriftzügen verziert wird und neben den Imbiss- und Souvenirbuden auf der „Händlermeile“ steht.
Dabei werden doch in diesem Zelt auch Rennen gefahren.

Echte Rennen, in denen es wirklich um etwas geht.

An der PlayStation 3 mit Gran Turismo.

24 junge Männer haben sich an diesem Wochenende am Lausitzring eingefunden, aber nur zwölf von ihnen werden im September nach Silverstone reisen, um dort an der nächsten Runde der diesjährigen GT Academy teilzunehmen und um einen Platz im Cockpit eines Nissan GT-R Nismo GT3 zu kämpfen. Nachdem am Samstag schon sechs Kandidaten ihren Heimweg antreten mussten, sind es am Sonntag nur noch 18 Fahrer, die in Schalensitzen vor dem Bildschirm sitzen und ihre Runden drehen.

Noch sieht das alles nicht nach Rennsport aus. Einen Rennanzug trägt hier niemand. Manche Teilnehmer tragen Handschuhe, der Großteil steckt aber in bequemer Sport-Kleidung, einer sogar in bunten Boardshorts, alle in passenden GT Academy 2013-Shirts. Andere Fahrer haben ihre Schuhe neben dem „Cockpit“ abgestellt und stehen in Socken auf den Pedalen. Dass es hier tatsächlich um etwas geht, fällt eigentlich erst dann auf, wenn man in die konzentrierten Gesichter sieht, die außer der digitalen Strecke auf dem Bildschirm alles ringsherum ausblenden und auch kein Ohr für den Moderator haben, der den vereinzelten Zuschauern versucht zu erklären, was genau hier eigentlich passiert.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013

Wenn etwas zur Rennsport-Atmosphäre im Zelt beiträgt, dann ist es der Motorenlärm vom Lausitzring, der bis ins Zelt dröhnt. Aber für die deutschen Finalisten sollte es an diesem Tag nicht dabei bleiben, nur vor der PlayStation zu sitzen. Nachdem die letzten Zeiten eingefahren waren, ging es für die erste Hälfte der Gruppe auf das DEKRA-Testgelände. Dort wartete nicht nur ein weißer Nissan 370Z Nismo auf sie, sondern auch Peter Pyzera, der Gewinner der letzten deutschen GT Academy, der das geschafft hat, was hier alle wollen: ein echter Rennfahrer zu werden.

Auf einem Streifen Asphalt auf einem Feld in Brandenburg gilt es dann, im Slalom um orange Hütchen zu fahren, das Auto auch auf einer nassen Strecke unter Kontrolle zu halten und nach einem kurzen Sprint punktgenau in einer kleinen Box zum Stehen zu kommen. Für manche der Kandidaten ist es vielleicht das erste Mal, dass sie in einem vergleichbaren Auto sitzen. Wirklichen Respekt vor der Maschine traut sich aber wohl niemand zu zeigen. Als wäre es nichts Besonderes, sich an das Steuer eines 45.000 Euro Autos mit 3,7 Liter-Motor und 377 PS zu setzen. Richtig ernst wird es doch sowieso erst, wenn sie neben Peter Pyzera Platz nehmen und den kurzen Fahr-Test bewältigen müssen.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013

Erst wenn sie nach zwei Läufen aus dem Auto steigen, sieht man wieder das ernste Gesicht, die Unzufriedenheit über kleine Fehler, die sie vielleicht die Reise nach Silverstone kosten können – oder manchmal aber auch einfach nur peinlich für gestandene Autofans sind: Wenn der Fuß von der Kupplung rutscht oder sich der Motor beim Start verschluckt und dann stirbt. Das ist wieder ein Moment, an dem sich die GT Academy 2013 auch für Zuschauer ein bisschen anfühlt wie Rennsport.

Währenddessen wird die andere Hälfte der Fahrer einem Mediatraining unterzogen. Eine simulierte Pressekonferenz, die einen ersten Vorgeschmack auf den Umgang mit den Medien geben soll. Bringt eine Frage auf Englisch sie aus dem Konzept? Wenn ja, sind das keine guten Vorzeichen für die Trainingswoche in Silverstone. Wie reagieren sie auf Fragen nach ihren Mitstreitern? Ob sie auch auf klassische Rennfahrerausreden geprüft wurden, ist nicht überliefert.

Vielleicht lernen sie das erst in Silverstone.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013Nach einer kurzen Pause – mittlerweile hat Cora Schumacher am Steuer eines Mini Platz genommen und rast über den Lausitzring – geht es für alle Kandidaten der GT Academy zum umfangreichen Fitnesstest. Auch wenn das nicht immer deutlich wird, aber Rennsport ist mehr, als nur möglichst schnell und vor allen anderen im Kreis zu fahren. So wie die Fahrer in spe aber aussehen, verbringen sie nicht ihren ganzen Tag damit, nur vor der Konsole zu hocken und virtuelle Bestzeiten herauszufahren. Niemand von ihnen erfüllt auch nur ansatzweise die Klischeevorstellung, die sich unweigerlich im Kopf breit macht, wenn man von einem Turnier hört, bei dem die besten PlayStation-Spieler aus Deutschland mitmachen.

Alle haben sich auf den heutigen Tag vorbereitet. Vor allem auf den Fitnesstest. So auch Kevin Rohrscheidt, einer von den 12 Fahrern, die sich am Nachmittag über einen Platz im Flugzeug nach Silverstone freuen dürfen. Seine Vorbereitung begann vor einem knappen halben Jahr und bestand zum großen Teil aus dem Fitnesstraining, das er aus Verdacht begonnen hatte. Woher sollte er trotz aller Vorbereitung denn schon wissen, ob es ihm gelingen würde, eine der schnellsten Zeiten in der GT Academy-Demo aufzustellen oder ob er es überhaupt bis zum Fitnesstest schaffen würde.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013

Das ist vielleicht das Unwirklichste am ganzen Tag. Hier stehen am Nachmittag 12 Gran Turismo-Spieler, die sich wie knapp 100.000 andere Spieler einfach eine Demo heruntergeladen und gespielt haben. Vielleicht mit anderen Ambitionen als die meisten Spieler, aber der Weg zur PlayStation Academy begann auch für sie einfach mit einem Download auf der PlayStation 3.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013Der größte Unterschied zwischen ihnen und den Spielern, die sich nach einer schnellen Runde vielleicht wieder anderen Spielen zugewandt haben, ist dann wohl ihre Hingabe. Kevin hat sich vorbereitet, während er sein duales Studium bei Adidas absolviert. Natürlich hat er sich auch nach und nach die richtige Ausrüstung gekauft, um eine realistische Chance zu haben, irgendwann unter den besten deutschen Gran Turismo-Fahrern zu landen. Bei seiner ersten Teilnahme an der GT Academy war es ein Lenkrad, ein Jahr später kam dann ein Rennsitz dazu. So weit wie heute hatte er es trotzdem noch nie geschafft. Mal war es ein Urlaub, mal ein gebrochener Fuß. Jetzt kommt er gerade von der ersten Anprobe eines Rennanzuges und ist schon wieder fast auf dem Heimweg.

Heute will dann erst mal eine Seminararbeit abgegeben werden, dann beginnen Vorbereitungen für England und der lange Weg hin zu seinem Traumauto: einem Nissan GT-R und vielleicht darf er auch irgendwann in einem Le Mans-Wagen Platz nehmen. Bis dahin fährt er weiter seinen BMW 116i. Für den Anfang reicht der Turbo-Motor, der Heckantrieb und der Kofferraum. Irgendwo muss er ja Lenkrad, Display und Sitz für Gran Turismo unterbringen.

Die GT Academy von Sony und Nissan ist ein bisschen wie Germany’s Next Topmodel. Nur ohne offensichtliche Zickereien und Schminke. Und leider auch ohne den Glamour. Ein bisschen zu versteckt läuft der Kampf um einen Platz in einem Rennteam und das ist ziemlich schade.

Das nächste GT Academy Finale in Deutschland darf dann gern nicht mehr in einem Zelt vor dem Lausitzring ausgetragen werden, sondern vielleicht im Infeld, untermalt vom Kreischen und Brummen der Motoren, die die Autos antreiben, in denen alle Kandidaten gerne sitzen würden. Und vor Publikum. Auch wenn es davon am Lausitzring vielleicht nicht so richtig viel gibt.

Germany\'s Next Top Driver: Ein Tag mit der GT Academy 2013

Quelle: http://de.ign.com/feature/20331/Germany-Next-Top-Driver-Ein-Tag-mit-der-GT-Academy-2013

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