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Student aus Stuttgart – Der Traum vom Profi-Rennfahrer

Christian Ignatzi, 27.10.2013 12:00 Uhr

In Silverstone darf Kevin Rohrscheidt am Steuer eines Sportwagens über die Strecke flitzen. Zuvor muss er seine Fitness auf dem Rad beweisen. Foto: Nissan

In Silverstone darf Kevin Rohrscheidt am Steuer eines Sportwagens über die Strecke flitzen. Zuvor muss er seine Fitness auf dem Rad beweisen.Foto: Nissan

Stuttgart – Das Hobby zum Beruf machen, davon träumen viele. Doch nur wenigen gelingt es. Lange hat auch Kevin Rohrscheidt nicht geglaubt, dass es ausgerechnet bei ihm klappen sollte. Der 21 Jahre alte Freizeitrennfahrer kommt ursprünglich aus Öschelbronn und studiert International Business an der Dualen Hochschule in Stuttgart. Abends entspannt er vor der Playstation. Gran Turismo heißt das Spiel, bei dem er regelmäßig Runden in Rennautos an der Videospielkonsole dreht. Und weil er das sogar so gut kann, dass er bis ins Finale eines Wettbewerbs gekommen ist, darf er nun tatsächlich darauf hoffen, das Hobby zum Beruf zu machen: Kevin Rohrscheidt winkt ein echtes Rennauto-Cockpit für ein Jahr.

Rückblick: Im Jahr 2008 gründeten der Automobilhersteller Nissan gemeinsam mit dem Konsolenhersteller Playstation die GT-Academy. Mit dem Wettbewerb wollten sie herausfinden, ob ein schneller Playstation-Spieler auch in einem echten Cockpit eine gute Figur abgeben kann. Mittlerweile bricht der Wettbewerb alle Rekorde. An der Ende Juli beendeten Saison nahmen in Deutschland über 100 000 Spieler teil. Weltweit waren es über 1,3 Millionen. Unter ihnen Kevin Rohrscheidt, der sich unter die besten 300 vorarbeiten konnte. Das reichte aber nicht. Nur die besten zwölf Fahrer erreichten das Deutschland-Finale. „Ein Bekannter von mir hat mich darauf hingewiesen, dass es sogenannte Wildcard-Events gibt, bei denen man einen zusätzlichen Startplatz im Finale gewinnen kann“, erinnert sich Rohrscheidt. In einem Autohaus in Pforzheim trat er am Fahrsimulator gegen 200 Spieler aus ganz Deutschland an – und setzte sich durch.

Der Stuttgarter Student Kevin Rohrscheidt. Foto: Nissan

Schließlich wurde für ihn im Deutschlandfinale auf dem Lausitzring ein Traum wahr. Zum ersten Mal durfte er auf einer echten Rennstrecke in einem echten Rennwagen fahren. Eine völlig neue Erfahrung für den Studenten: „Der größte Unterschied zum Videospiel und zum Simulator sind die Fliehkräfte“, erklärt er. „Außerdem hat man in einem echten Auto die Unebenheiten des Bodens, die man genau spürt. Was man beim Spielen lernt, sind die Strecken, die ich in- und auswendig kenne.“

Dass Rohrscheidt schließlich unter den besten Fahrern aus Deutschland landete, hat er aber nicht nur seinem Können hinter dem Lenkrad zu verdanken. „Ich denke, der Fitnesstest, den wir absolvieren mussten, hat es letztlich herausgerissen.“ Gemeinsam mit den elf weiteren besten deutschen Simulatorfahrern ging es für den Schwaben zum einwöchigen Race-Camp, einem Trainingslager, nach Silverstone in England. Statt Computerspielen ging es dabei um echtes Autofahren. Der beste der zwölf deutschen Nachwuchsfahrer bekommt einen Einjahresvertrag als Profirennfahrer, in einem Nissan GT-R Nismo GT 3 in einer Meisterschaft höchster Klasse.

Fast wirkt er wie ein kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum

Kevin Rohrscheidt erinnert sich an die Ankunft in Silverstone: „Wir wurden von typisch englischem Regen begrüßt und in unsere Unterkunft mit Feldbetten geführt.“ Fast wirkt er wie ein kleiner Junge unter dem Weihnachtsbaum, als er davon erzählt, wie die Zelte, in denen die Kontrahenten wohnten, mitten in der berühmten Formel-1-Strecke aufgebaut waren. Doch es kam noch besser, findet Rohrscheidt: „Wir bekamen Rennfahrerkleidung, einen Helm, Fitnesskleidung und Shirts. Das war krass!“

In die Sportkleidung schlüpften die Jungs gleich und durften erst einmal ihre Fitness unter Beweis stellen. Erst am zweiten Tag des siebentägigen Trainingslagers ging es zum ersten Mal in ein Rennauto – einen Nissan Juke Nismo. Fünf Runden hatten die Nachwuchs-Rennfahrer Zeit, sich an ihr Auto zu gewöhnen. Instruktoren standen ihnen zur Seite. „Da waren teilweise Leute dabei, die schon diverse Male in Le Mans gefahren sind und von denen wir sehr viel lernen konnten“, sagt Kevin Rohrscheidt. Zu den Profi-Rennfahrern gesellte sich in der Jury auch Formel-1-Pilot Nick Heidfeld.

In weiteren Tests, wie einem Fünfkampf, bestehend aus Laufen, Buggyfahren, Hovercraftfahren, Fahrradfahren und Autofahren, stand die Entscheidung an, welcher Fahrer die Chance als Profi bekommt. Auch diesmal war Rohrscheidt beim Sporttest wieder vorne mit dabei. „Vor allem im Laufen hatte ich einen großen Vorsprung“, sagt er. Ob er es in der Woche in Silverstone zum Rennfahrer gebracht hat, darf er noch nicht verraten. Der Fernsehsender RTL strahlt die Wettbewerbe der Trainingswoche exklusiv aus. Wer mitverfolgen will, wie sich Kevin Rohrscheidt schlägt, muss früh aufstehen. Die nächste Folge strahlt der Sender an diesem Samstag um 9.30 Uhr aus.

Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.student-aus-stuttgart-der-traum-vom-profi-rennfahrer.97cf0efc-16a9-42f9-bd19-b53cf7b8548f.html

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